Eine Mutter erzählte ihrem Sohn von einem großen Heiligen: „Sogar eine Prise Staub, den sein Fuß berührt hat, ist erhaben.“ Es geschah, dass dieser Heilige durch den Ort kam. Der Knabe folgte seiner Spur, nahm eine Prise von dieser Erde, nähte sie ein und trug sie am Hals.
Wenn er in der Schule seine Lektion hersagte, hielt er diese geweihte Erde immer in der Hand. Dabei war der Knabe von einer solchen Begeisterung erfüllt, dass seine Antworten immer bemerkenswert waren. Eines Tages, als er die Schule verließ, lobte der Lehrer ihn und fragte, was er denn immer in der Hand halte. Der Knabe antwortete: „Erde, die die Füße eines Heiligen berührt haben, der durch unser Dorf ging.“ Der Lehrer fügte hinzu: „Diese heilige Erde bringt dir mehr Nutzen als Gold.“
Dabei war ein benachbarter Ladenbesitzer zugegen und sagte zu sich: „Welch ein dummer Bub, bloß eine Prise goldener Erde zu nehmen. Ich will warten, bis der Heilige wieder durchkommt, die ganze Erde einsammeln, die seine Füße berührten, und so eine höchst gewinnbringende Ware erhalten.“ Und der Ladenbesitzer setzte sich auf seine Schwelle und wartete vergeblich auf den Heiligen. Denn er kam nicht. Habgier ist der Feurigen Welt fremd.
Feurige Welt I, 581
Gemälde von N.K. Roerich. Sergius der Baumeister, 1925,
Internationales Roerich-Zentrum-Museum, Russland, Moskau